Kleine Güllebiogasanlagen bis 75 Kilowatt fit für den Regelenergiemarkt

Pressemitteilung / 16.9.2015

Das Vorhaben Flex75 - Anwendung der Flexibilitätsprämie für Gülleanlagen (< 75 kW) hat die Möglichkeiten zum wirtschaftlichen Betrieb von kleinen Güllebiogasanlagen untersucht. Die Untersuchungen zeigen, dass die Anlagen mit einer Leistung bis 75 Kilowatt grundsätzlich einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können. Jedoch müssen zukünftig noch einige Weichenstellungen erfolgen, um den weiteren Ausbau dieser Anlagen zu forcieren.

Kleine Güllebiogasanlagen bis 75 Kilowatt eignen sich für den Regelenergiemarkt. ©Fraunhofer UMSICHT

Die Vergärung von Gülle ist eine sinnvolle Alternative zur Ausbringung auf die Felder. ©MEV

„Kleine Güllebiogasanlagen können durchaus wirtschaftlich betrieben werden, haben ökologische Vorteile und sind aus technischer Sicht für den Regelenergiemarkt geeignet“, fasst Projektleiter Rolf Jung von Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten Vorhabes Flex75 (03KB080) zusammen. „Dabei ist das Potenzial der Anlagen mit einer Leistung von bis zu 75 Kilowatt in Deutschland bei weitem nicht ausgeschöpft.“ Das gesamte Potenzial in Deutschland beläuft sich auf etwa 17 000 Anlagen. Schon 10 Prozent davon wären ein Erfolg – gebaut sind derzeit aber maximal 500. Vor diesem Hintergrund ermittelte das Projektkonsortium bestehend aus Fraunhofer UMSICHT, OmniCert GmbH und Maschinenringe Deutschland GmbH Kriterien zum wirtschaftlichen Betrieb von kleinen Güllebiogasanlagen. Diese sollen Herstellern, Betreibern und Akteuren am Strommarkt helfen, die geeigneten Rahmenbedingungen zum effizienten Betrieb der Anlagen sicherzustellen.

Direktvermarktung als Option für Güllebiogasanlagen

Als besonders interessant stellte sich dabei der negative Regelenergiemarkt heraus, bei dem die Anlagen vom Netz genommen werden, falls das Stromangebot die Nachfrage übersteigt. Voraussetzung zur Teilnahme ist dabei eine sogenannte Fernwirkeinrichtung. Dafür werden die Anlagen zu einem Pool zusammengefasst und dann aus der Ferne gesteuert – sprich die Blockheizkraftwerke (BHKW) werden an- und abgeschaltet. Etwa sechs bis 20 Mal pro Jahr würden dann die Anlagen vom Netz genommen. Somit könnten je nach Anlagengröße Mehreinnahmen von 2 700 bis zu 5 000 Euro erwirtschaftet werden. Sind diese Fernwirkeinrichtungen beim Bau der Anlagen direkt integriert, halten sich die Aufwendungen in Grenzen, jedoch ist das Nachrüsten von Altanlagen oftmals technisch nicht möglich, kostenintensiv und daher wenig rentabel. Zudem sind die Investitionskosten für kleine Güllebiogasanlagen in Deutschland relativ hoch. Eine Möglichkeit zur Senkung der Investitionskosten sind Kapitalanlagen in Form sogenannter Bauherrenmodelle, bei denen der Betreiber durch vermehrte Eigenleistung Kosten sparen kann.

Wirtschaftlicher Betrieb unter derzeitigen Voraussetzungen eine Herausforderung

Schlüsselfertige Anlagen kosten oftmals über 550 000 Euro, ein Preis der einen wirtschaftlichen Betrieb kaum zulässt. Durch Bauherrenmodelle werden die Anlagen wirtschaftlicher und leisten zudem einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende. Der Gesetzgeber hat per Definition kleine Güllebiogasanlagen auf maximal 75 Kilowatt Leistung begrenzt. Der Strom dieser Anlagen wird zwar höher vergütet, als jener aus größeren Anlagen, jedoch schränkt die starre Leistungsgrenze die Betreiber ebenfalls ein. Rolf Jung von Fraunhofer UMSICHT geht davon aus, dass bis zu 1 700 Anlagen in Deutschland möglich wären, und die Direktvermarktung des Stroms eine wirtschaftliche Option für alle Beteiligten darstellt. Wie beschrieben müssten neue Anlagen lediglich mit Fernwirkeinrichtungen ausgestattet werden. Auch die politischen Rahmenbedingungen für kleine Güllebiogasanlagen sind bislang wenig förderlich. Durch eine Art Anreizfinanzierung sollten Energiehändler künftig motiviert werden, auch kleine Anlagen in die Regelenergievermarktung aufzunehmen.

Das Förderprogramm

Im Juni 2008 startete das insgesamt 48 Millionen Euro umfassende Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung“. Das Programm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Nach fast sechsjähriger Laufzeit werden mit rund 44.96 Millionen Euro 99 Verbundprojekte bzw. 247 Einzelprojekte gefördert, die zum Thema Biomasse als Energieträger forschen. Im Fokus stehen insbesondere Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur praxistauglichen Weiterentwicklung wettbewerbsfähiger Technologien, insbesondere in den Bereichen Verbrennung, Vergasung und Vergärung von Biomasse. Weitere Forschungsschwerpunkte sind systemflexible Anlagenkonzepte und Produkte für eine nachhaltige und effiziente Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse, hier vor allem aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Fördermittelempfänger sind klassische Forschungseinrichtungen, aber auch vor allem klein- und mittelständische Unternehmen, die die Markteinführung bestimmter Technologien anstreben. Das DBFZ ist für die wissenschaftliche Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit des Förderprogramms zuständig. Mit der fachlichen und administrativen Koordination desselben wurde der Projektträger Jülich (PtJ) beauftragt. Die Laufzeit ist momentan bis 2015 geplant.

Der Endbericht kann unter folgendem Link abgerufen werden: