Fraunhofer UMSICHT erhält Großauftrag

Pressemitteilung / 17.1.2017

Die Abteilung Kreislaufwirtschaft rund um Abteilungsleiter Dr. Matthias Franke hat einen Großauftrag zur Erstellung eines Abfallwirtschaftsplans für das Emirat Kuwait erhalten. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren und weist ein Volumen von 18 Mio. Euro auf. Auftraggeber ist die Environment Public Authority in Kuwait.

© Foto Kuwait Environment Public Authority

Die Delegation beim gemeinsamen Dinner.

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Dr. Lorenz Kaiser (Direktor F&E-Verträge und IPR Fraunhofer-Zentrale) und Scheich Abdulla Ahmad Alhmoud AlSubah (General Manager Environment Public Authority Kuwait) bei der Vertragsunterzeichnung am 8. Januar 2017 in Kuwait.

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Am 8. Januar 2017 fand die Vertragsunterzeichnung in Kuwait statt.

»Am 8. Januar 2017 haben wir den Vertrag für das Großprojekt in Kuwait unterschrieben. Wir wurden damit beauftragt, einen Abfallwirtschaftsplan für das Emirat Kuwait zu erstellen. Das ist ein einzigartiges Vorhaben und wir haben bereits mit dem ersten Projektschritt begonnen«, beschreibt Dr. Matthias Franke.

 

Projektteam und Zusammenarbeit

So haben einige Mitarbeiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft bereits ihr Büro im modernen Verwaltungsgebäude der »Environment Public Authority Kuwait« (kurz: EPA) bezogen. Dadurch ist es in kurzer Zeit möglich, mit der Arbeitsweise der Umweltbehörde vertraut zu werden. Dr. Peter Degener, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft und zugleich Projektmanager, ist für die ersten drei Monate permanent vor Ort. Er wird von weiteren Teammitgliedern vor Ort unterstützt, die im Unterauftrag für UMSICHT tätig sind. Hinzu kommt ein Team von technischen Mitarbeitern, die die praktischen Erkundungsarbeiten auf Deponien und im Umland ausführen. Weiterhin wird das Team durch eine Reihe von sog. Visiting Experts unterstützt, die Ihren Sitz in Deutschland haben und unter anderem zur Bearbeitung abfallrechtlicher, logistischer oder umweltökonomischer Fragestellungen hinzugezogen werden. Die Koordinierung der deutschen Unterauftragnehmer  wird von Katharina Reh, Gruppenleiterin Abfall und Ressourcenstrategien und Dr. Matthias Franke übernommen. Um die umfangreichen Arbeiten bewältigen zu können, wurden insgesamt elf Konsortialpartner in das internationale Projekt eingebunden.

 

Vier Projektschritte

Zunächst untersuchen Dr. Franke und sein Team die Situation vor Ort. Im Rahmen des Vorhabens soll in einem ersten Schritt eine umfassende Bestandsaufnahme und Erhebung von Primärdaten in dem Golfstaat vorgenommen werden. Neben Siedlungsabfällen sollen auch Gewerbe- und Industrieabfälle, Krankenhausabfälle, Industrieabwässer sowie Klärschlämme bezüglich Aufkommen, Zusammensetzung, Anfallstellen und Entsorgungswegen untersucht werden. Die Wissenschaftler wollen im Detail Abfallmengen oder deren Zusammensetzung herausfinden, welche Wege die Abfälle gehen und in welchem Zustand die Deponien sind. 

In einem zweiten Schritt werden die Deponien des Landes hinsichtlich ihrer Ausdehnung, Zusammensetzung sowie des Gefährdungspotenzials für Mensch und Umwelt erkundet. Dazu werden neben der Simulation von Deponiegas- und Sickerwassermengen auch Bohrungen durchgeführt und Gas, Sickerwasser- sowie Grundwassermessstellen eingerichtet. Weiterhin werden geophysikalische Untersuchungen durchgeführt und Abfallproben entnommen. 

Zur Nutzbarmachung der Daten für Behörden und Regierung sowie zur Information der Öffentlichkeit wird in einem dritten Schritt ein webbasiertes, interaktives Geoinformationssystem (Environmental Monitoring Information System of Kuwait, kurz eMISK) entwickelt, das unter anderem individualisierte Situationsanalysen, graphische Datenauswertungen und die Lokalisierung von Abfallerzeugern,  -behandlungsanlagen und Deponien ermöglicht. Neben statistischen Daten und Ergebnissen von Laboranalysen werden in das System auch Daten von verschiedenen Analysesystemen - wie beispielsweise in Echtzeit erfasste Geruchsemissionen im Umfeld von Deponien und Behandlungsanlagen - online eingespeist. Die Erstellung der Datenbank, welche die Abfälle und Deponien im Land zeigt, ist die Hauptaufgabe des Projektes. 

Ziel ist ein Informationssystem zu schaffen, anhand dessen man die Umweltsituation sämtlicher Standorte von Deponien und Müllanlagen aufrufen kann. Außerdem soll das Monitoring-System eMISK überschrittene Grenzwerte anzeigen oder den Wege des Abfalls visuell nachvollziehbar machen – und das alles bequem via Smartphone! 

In einem abschließenden vierten Schritt erfolgt die Erstellung eines nationalen Abfallwirtschaftsplans für das Land. Dazu wird der bestehende Rechtsrahmen des Landes weiterentwickelt und ein Finanzierungsmodell zur Umsetzung des Abfallwirtschaftsplans geschaffen. In einer Roadmap werden abfallwirtschaftliche Ziele, Indikatoren und Maßnahmenpläne zur Umsetzung von Abfallvermeidungs- und -verwertungsmaßnahmen sowie zur Sanierung der Deponien für die nächsten 20 Jahre festgelegt. 

 

Das Projekt bietet für den Forschungsstandort in Sulzbach-Rosenberg eine große Chance, sich neue Märkte und Kunden im arabischen Raum zu erschließen und sich international weiter zu etablieren. Die Vertragsunterzeichnung war nicht nur für Fraunhofer UMSICHT und die Abteilung Kreislaufwirtschaft ein Erfolg. Ein Vorhaben dieser Größenordnung im arabischen Raum hat es in der Fraunhofer-Gesellschaft bislang noch nicht gegeben.

 

Projektpartner 

Insgesamt elf Konsortialpartner beteiligen sich neben Fraunhofer UMSICHT an dem Vorhaben. Dazu zählen die Universität Rostock, die envero GmbH, das INFA Institut, die INTECUS GmbH, die bipro GmbH, die BlackForest Solutions GmbH, das Ingenieurbüro RUK, die Nordum Akademie, die Beratungsgruppe TOMM+C sowie die in Kuwait ansässigen Unternehmen Giscon Middle East und Dar Al Bea’a Environmental Consultants.