EU-Projekt in Vorbereitung

Pressemitteilung / 3.4.2017

Fraunhofer UMSICHT bereitet gerade das EU-Projekt The Demonstration of Waste Biomass to Synthetic Fuels and Green Hydrogen (Akronym: TOSYNFUEL) mit weiteren Partnern vor, welches ein Projektvolumen von über 15 Mio. Euro hat.

© Foto Fraunhofer UMSICHT / Kurt Fuchs

TCR®-Anlage im Technikum von Fraunhofer UMSICHT.

»Das Projekt hat eine Gesamtdauer von 48 Monaten und Fraunhofer UMSICHT wird der Koordinator des Projektes sein«, berichtet Prof. Dr. Andreas Hornung, Leiter von Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg und Lehrstuhlinhaber in Bioenergie an der Universität Birmingham. »Das Volumen des Projektes ist enorm mit insgesamt 14.511.922 Euro, davon ein Förderanteil von 12.250.528 Euro und einen Anteil von 5,3 Mio. Euro für Fraunhofer UMSICHT«. Neben Prof. Dr. Andreas Hornung nahmen an den Verhandlungsgesprächen mit der Europäischen Kommission Dr. Robert Daschner, Abteilungsleiter Energietechnik, und Dr. Andreas Apfelbacher, Gruppenleiter Thermochemische Prozesse und Dr. Miloud Ouadi, Gruppenleiter Aufbau UK, teil. Der Antrag, den Fraunhofer UMSICHT als  Konsortialpartner koordiniert hat, wurde positiv bewertet im Rahmen von Horizon 2020 und soll im zweiten Quartal 2017 starten.

Politischer Hintergrund

Die Europäische Kommission hat sich das Ziel gesetzt, dass 10% der im Verkehr verwendeten Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden müssen. Jedoch ist die erste Generation der Biokraftstoffe aus ökologischen und sozialen Gründen in die Kritik geraten. Genannt werden hier die teilweise Erhöhung der Lebensmittelpreise, Rodung von Wäldern sowie die verstärkte Nutzung fossiler Energieträger beim Anbau und Transport von Rohstoffen. Um dieses Problem zu lösen, führte die EU-Kommission für Biokraftstoffe aus Nahrungsmitteln oder Energiepflanzen eine Obergrenze ein. »Daher besteht ein dringender Bedarf, innovative Biokraftstoffe aus nachhaltigen Rohstoffen auf den Markt zu bringen«, erklärt Prof. Dr. Andreas Hornung.

TCR®-Technologie als Lösungsansatz

Die entwickelte TCR®-Technologie von Fraunhofer UMSICHT könnte daher die Lösung sein. Denn durch das thermo-katalytische Reforming TCR® werden erneuerbare, flüssige Kraftstoffe aus Abfallbiomasse produziert, welche fossile Brennstoffe substituieren können. Die hergestellten Kraftstoffe von Fraunhofer UMSICHT entsprechen den europäischen Normen für Benzin und Diesel EN228 bzw. EN590, was im Technikum-Maßstab bereits nachgewiesen wurde. Diese sehr hohe Öl-Qualität wird durch das thermo-katalytische Reforming TCR® erreicht. Die TCR®-Technologie wandelt im Wesentlichen alle Arten von Restbiomassen in drei Hauptprodukte um: 1) H2 reiches Synthesegas, 2) Biokohle und 3) flüssiges Bio-Öl, welches upgegradet werden kann. Durch Hochdruck HDO und konventionelle Raffinationsprozesse, sodass bei der Destillation ein Diesel- / Benzin-Äquivalent erstellt wird, das für Motoren bereit ist.

Hauptziel des TOSYNFUEL-Projektes

»Das Hauptziel ist es, durch die Kombination von TCR® und HDO sowie der Separation des H2 eine neue Wertschöpfungskette zu schaffen. Beispielsweise biogene Abfälle oder organische Rückstände sollen im Rahmen des Projektes im Demonstrationsmaßstab in verwertbare, kostengünstige und leistungsstarke synthetische Kraftstoffe umgewandelt werden. Diese Produkte können direkt in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden«, beschreibt Prof. Dr. Andreas Hornung. Um dieses Ziel zu erreichen, ist das TOSYNFUEL-Projekt in zehn Meilensteine untergliedert, die jeweils einem entsprechenden Arbeitspaket zugeordnet sind. Außerdem soll das Projekt die Akzeptanz der Biokraftstoffe erhöhen und der allgemeinen Öffentlichkeit zeigen, dass der neue Diesel- und Benzin-äquivalente, synthetische Kraftstoff  mit den fossilen Brennstoffen konkurrenzfähig ist. So eröffnet die  TCR®-Technologie langfristig die Möglichkeit, organische Abfälle in erneuerbare Treibstoffe umzuwandeln und direkt in bestehende Erdölinfrastrukturen einzusetzen.

Partner im EU-Projekt TOSYNFUEL

Für das Projekt hat sich Fraunhofer UMSICHT weitere Partner ins Boot geholt, wie Engie Services Niederland NV (NL), Alma Mater Studiorum – Universität Bologna (IT), ENI S.p.A. (IT), Universität Birmingham (UK), ETA – Energia, Trasporti, Agricol Tura SRL (IT), Acondicionamiento Tarrasense Assiciation (ESP), Susteen Technologies GmbH (DE), WRG Europe Ltd (UK), Verfahrenstechnik Schwedt GmbH (DE), HYGEAR Technology and Services BV (NL) und Slibverwerking Noord-Brabant NV (NL). Jeder der Partner hat bestimmte Aufgaben und trägt damit zum Gesamtprojekt bei.