Studie von Fraunhofer UMSICHT als Grundlage der Bayerischen Phosphorstrategie

Pressemitteilung / 27. März 2013

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (StMUG) hat am 21. März 2013 die Studie „Phosphorstrategie für Bayern – Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen und Empfehlungen“ veröffentlicht. Die Studie wurde von Fraunhofer UMSICHT erarbeitet und dient als Grundlage einer nachhaltigen Phosphorstrategie.

© Fraunhofer UMSICHT

Die Wissenschaftler von Fraunhofer UMSICHT untersuchten geeignete Stoffströme quantitativ auf ihre Phosphor-Rückgewinnungspotenziale und prüften aktuelle Phosphorrückgewinnungsverfahren auf ihre Eignung in Verbindung mit der thermischen Klärschlammentsorgung in Bayern.
»Phosphor ist ein lebensnotwendiger Rohstoff, aber endlich und nicht substituierbar. Wir haben in unserer Studie den jährlichen Phosphoreinsatz ermittelt und die wesentlichen Phosphorstoffströmeanalysiert und abgebildet.

Rückgewinnungspotenzial von Phosphor

Darauf aufbauend haben wir das theoretische und technische Rückgewinnungspotenzial betrachtet«, beschreibt Dr.-Ing. Matthias Franke Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft bei Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg die Untersuchungen. Phosphorverbindungen werden überwiegend als Düngemittel für die Landwirtschaft und als Zusatzstoff für die Lebens- und Futtermittelindustrie eingesetzt. Grundsätzlich ist Phosphor kein seltenes Element – mit einer ermittelten statischen Reichweite der bekannten Phosphatlagerstätten von etwa 350 Jahren. Jedoch nehmen die Schadstoffgehalte – vor allem Cadmium und Uran – in den geförderten Phosphorerzen zu. Leicht zugängliche und weitgehend unbelastete Vorkommen werden somit eher erschöpft sein. Die Nachfrage an Nährstoffen und Nahrungsmitteln wird steigen. Schwankende Weltmarktpreise in den letzten Jahren sind ein erstes ernst zu nehmendes Signal.
Deutschland und Bayern besitzen keine natürlichen Vorkommen und sind damit zu 100 Prozent auf den Import von Phosphor angewiesen. Um Versorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten, erarbeitet Bayern geeignete Strategien zur nachhaltigen Nutzung der Sekundärressourcen, die sich in Abfallströmen finden. Es ist langfristig unabdingbar, die Potenziale im eigenen Land zu nutzen und möglichen Abhängigkeiten von wenigen fördernden Ländern zu begegnen.
Vor allem Abwasser und Klärschlämme enthalten ausreichend hohe Mengen an Phosphor, die durch geeignete Verfahren zurück gewonnen werden können, so eines der Kernergebnisse der Studie. Eine direkte Düngung mit Klärschlämmen scheidet aus, da diese einen hohen Schadstoffgehalt aufweisen, stattdessen sollte der Wertstoff »Phosphor« gezielt als schadstoffarmer, lagerfähiger und gut pflanzenverfügbarer Dünger gewonnen werden.
Bei einer Aufsummierung der Potenziale der kommunalen Abwasserwirtschaft, tierischer Nebenprodukte und von Rückständen der Lebensmittelproduktion ermittelten die Forscher von UMSICHT aus der Abteilung Kreislaufwirtschaft, dass ca. 55 bis 70 Prozent des 2010 in Bayern abgesetzten Mineraldüngers durch Sekundärphosphate ersetzt werden könnten.
Die Studie zeigt weiter Handlungsmöglichkeiten auf, die als Grundlage für eine zukünftige Phosphorrückgewinnung und für ein nachhaltiges Phosphormanagement in Bayern und darüber hinaus dienen sollen.