Nachhaltige Flugkraftstoffe mit Fraunhofer TCR-Technologie

flexJET gewinnt KETBIO Award als innovativstes EU-Biotech-Projekt

Pressemitteilung / 18. Juni 2020

Das Projekt flexJET zur Erzeugung nachhaltiger Flugkraftstoffe wurde aus mehr als 300 EU-geförderten Biotech-Projekten als das mit den besten Kommerzialisierungs-Chancen ausgezeichnet. Die Vergabe des Preises erfolgte durch die Industrieexperten der europäischen KETBIO Biotech Transfer Initiative. Im Rahmen von flexJET werden 1200 Tonnen nachhaltiger Flugkraftstoff aus Alt-Speiseölen produziert. Der für die Hydrierung der Öle benötigte Wasserstoff stammt aus biogenen Reststoffen. Er wird mit Hilfe des von Fraunhofer entwickelten TCR®-Verfahrens hergestellt.

Nachhaltige Flugkraftstoffe für die Dekarbonisierung des Luftverkehrs

© flexJET
Komplonenten der flexJET Demonstrationsanlage
© flexJET
Komponenten der flexJET Demonstrationsanlage
Komponenten der flexJET Demonstrationsanlage
© flexJET
Komponenten der flexJET Demonstrationsanlage

 

Prof. Andreas Hornung, Erfinder der TCR®-Technologie und Leiter des Institutsteils Sulzbach-Rosenberg von Fraunhofer UMSICHT sowie Lehrstuhlinhaber für Bioenergie in Birmingham koordiniert das Projekt federführend, er sagt: "Die Auszeichnung durch die KETBIO-Fachgremien zeigt uns, wie wichtig nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) für die Industrie sind. Mit der Anlagentechnik im flexJET Projekt werden wir zeigen, dass SAF sowohl großindustriell als auch dezentral wirtschaftlich hergestellt werden können."

Ziele im Projekt flexJET

Die Demonstrationsanlage in flexJET wird 1.200 Tonnen nachhaltigen Flugtreibstoff pro Jahr aus pflanzlichem Lebensmittelabfallöl herstellen. Aus weiteren getrockneten biogenen Reststoffen wird mittels der TCR-Technologie (Thermo-Catalytic-Reforming) Wasserstoff erzeugt, der für die Aufbereitung der Öle genutzt wird. Insgesamt werden mehr als 4.000 Tonnen Abfall aus der Umwelt entfernt.

Dr. Miloud Ouadi, Forschungsleiter und Projektkoordinator bei flexJET an der University of Birmingham sagt: "Der Gewinn des KETBIO-Awards ist eine große Ehre und bestätigt uns auf unserem Weg zur kommerziellen Anlagentechnik. Unser Gesamtziel ist es, die Dekarbonisierung des Luftfahrtsektors maßgeblich voran zu bringen."

Unmittelbar nach Abschluss des Projekts ist eine erste kommerzielle Anlage geplant, die 25.000 Tonnen nachhaltigen Flugkraftstoff pro Jahr produzieren soll.

Verfahren und Anlagentechnik

Die Prozesstechnik von flexJet kombiniert eine konventionelle Umesterungstechnologie mit Hydro-Processing und Fraktionierung für die Aufwertung von Biodiesel durch organische Abfallfette mit der Thermo-Catalytic Reforming (TCR®)-Technologie für die Produktion von grünem Wasserstoff. Der Wasserstoff wird durch eine Druckwechseladsorption (Pressure Swing Adsorption, PSA) abgetrennt. Für die Erzeugung der Kraftstoffe werden pflanzliche Altöle (gebrauchtes Speiseöl) in Übereinstimmung mit den bestehenden Standards (HEFA-Route - ASTM D7566) als Einsatzstoffe verwendet. Die zusätzliche Verwendung von grünem Wasserstoff aus der Umwandlung von Restbiomasse und die Nutzung erneuerbarer Prozessenergie ermöglicht eine signifikante Reduzierung des verbleibenden CO2-Fußabdrucks.

Der Output an Flugkraftstoff könnte durch die Ko-Raffination der Öle und Fette mit dem Bio-Rohöl aus dem TCR-Verfahren noch weiter erhöht werden. Wenn die Ergebnisse aus den Vorversuchen vielversprechend sind, könnte dieser Weg ein Kandidat für ein zukünftiges ASTM-Zulassungsverfahren werden.

Das flexJET-Projekt wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union mit ca. 10 Mio. EUR gefördert. Das Projekt läuft bis 2022.

KETBIO Award

Im Rahmen des von KETBIO-Wettbewerbs wurden mehr als 300 EU-geförderte Biotech-Projekte auf ihr Kommerzialisierungspotenzial hin untersucht. Bei 79 Projekten wurden Interviews durchgeführt und die Projekte tiefer analysiert, wobei Faktoren wie Zielmärkte, TRL, Beteiligung der Industrie, IP-Situation und mehr berücksichtigt wurden.

Die Bewertung der bestplatzierten Projekte wurde ergänzt durch eine Beurteilung durch namhafte Branchenexperten und industrievertreter aus dem wirtschaftlichen Beratergremium von KETBIO.

KETBIO ist eine europäische Initiative, die im Horizon2020 Programm von der EU gefördert wird. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, den Transfer von Biotechnologien in die Anwendung zu fördern. Die Projektkoordination von KETBIO liegt bei der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.